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Michael Keul and
Superfocus

Globalisierung, Internet-Zeitalter – heute ist auch jeder Klang quasi jederzeit abrufbar, verfügbar. Da ist es vielleicht nur natürlich, dass junge Jazzer heute vorwiegend Musik spielen, die alle Kategorien und Stile sprengt, die man bislang mit dem Begriff Jazz verbunden hat. Das kann aufregend, spannend und erstklassig sein, aber auch unehrlich, indifferent und enttäuschend. Zum Glück gibt es noch Musiker wie den Schlagzeuger Michael Keul. Wenn er spielt, kann man sich sicher sein, dass es Jazz ist. Purer Jazz. Erst recht natürlich, wenn der begehrte Sideman selbst in die Bandleader-Rolle schlüpft und ein Album mit seinen Wunschmusikern und seiner Wunschmusik einspielt: „Superfocus“ ist fast schon eine Quintessenz dessen, was den 51-Jährigen in seinem Musikerleben beschäftigt, bewegt und begeistert hat. Und es beweist schlagend, dass auch purer Jazz unendlich vielseitig sein kann, dass der Respekt vor der Tradition die Offenheit für Neues nicht ausschließt, sondern geradezu bedingt. Offene Ohren hatte Michael Keul von Anfang an. In seiner Heimatstadt Bad Kissingen lernte er zunächst die Harmonie- Instrumente Klavier und Saxophon, bevor sich die Liebe zum Rhythmus und damit zum Schlagzeug als stärker erwies. Keul ging 1984 an die Swiss Jazz School nach Bern, wo er beim legendären Billie Brooks lernte, was man über Swing und Bebop wissen muss. Nach der Theorie folgte die Praxis: Seit 1988 ist Keul nicht mehr aus der süddeutschen Szene wegzudenken, als langjähriger Drummer der Al Porcino Big Band und der Munich Swing Stars, als Taktgeber für Klaus Koch und seine „Boperators“, für das Ed Kröger Quartett, die Thilo Kreitmayr Group, die Munich Big Band von Dusko Goykovich, für die Band „Bass Player´s Delight“ von Johannes Ochsenbauer oder die Trios von Mathias Bätzel, Alex Jung, Joe Kienemann und Bernhard Pichl. Auf über 40 CDs ist Keul bereits zu hören. Doch natürlich hat Keul von Anfang an vermieden, nur im eigenen Saft zu schwimmen. Er spielte auf Festivals von New Orleans bis Rabat, für das Goetheinstitut ging es bis nach Indonesien auf Konzertreise. Vor allem aber flog er immer wieder ins Mutterland des Jazz, um in New Orleans und New York sozusagen face-to-face von den großen Alten zu lernen. Oft gab es dann in Europa ein Wiedersehen: Mehrfach holte Keul die Saxophon-Legenden Red Holloway und Houston Person nach Deutschland, er spielte mit dessen Kollegen James Moody und Sal Nistico oder den Startrompetern Clark Terry, Conte Candoli, Chet Baker und Woody Shaw. Was man von solchen Größen auch lernt: Wie wichtig eine eingespielte Rhythmusgruppe ist. Wenn der Bassist genau weiß, was der Schlagzeuger als nächstes machen wird, und der Pianist ebenso sicher sein kann, dass die Kollegen seine Einfälle vorausahnen – erst dann swingt es wie verrückt, erst dann bekommt Jazz das Fundament, von dem aus man auf den Flügeln der Improvisation davonfliegen kann. Und so hat Michael Keul für „Superfocus“ mit Rudi Engel am Bass und Bernhard Pichl am Klavier wieder das Dreamteam versammelt, mit dem er seit Jahren in diversen Besetzungen perfekt interagiert. Mit von der Partie ist außerdem der alte Freund, Pianist und Dozentenkollege an der Münchner Musikhochschule Tizian Jost, der hier bei vier Titeln seiner zweiten großen Leidenschaft frönen darf, dem Vibraphon. Und dann ist da ja auch noch ein internationaler Star und alter Bekannter: Scott Hamilton, der Mann, der sich in den Siebzigern und Achtzigern in New York den Ruf erarbeitete, der vielleicht stilechteste Tenorsaxophonist des Swing zu sein. Weich wie Ben Webster und noch im Pianissimo sonor, aber auch hitzig wie ein Coleman Hawkins und gewandt wie ein Lester Young, so präsentiert sich Hamilton auch auf „Superfocus“. Man höre nur, wie umwerfend er Joe Zawinuls ergreifende Ballade „Midnight Mood“ intoniert. Womit wir schon beim Repertoire wären, das Keul ebenso wirkungsvoll und zielsicher ausgewählt hat wie seine Begleiter. Bebop und Hardbop hat logischerweise die Nase vorn: mit Milt Jacksons Modern-Jazz-Credo „Minor Conception“, das Tizian Jost am Vibraphon gehört; mit dem nicht minder klassischen Soul Bop von Hank Mobleys „East of The Village“, bei dem sich Keul selbst ein fast afrikanisch klingendes Intro gönnt; und mit der hier zum Schlagzeug- und Saxophon-Duell arrangierten minimalistischen Studie „Rifftide“ (das auch bekannt ist unter dem Titel „Hackensack“) von Coleman Hawkins. Doch mit Oscar Pettifords programmatischen „Swingin‘ Till The Girls Come Home“ geht es auch in den reinen Swing, mit „The Summer Knows“ zu einer der unvergleichlich luftigen, mediterranen Balladen von Michel Legrand und mit „Vignette“ zu jener alle alten Stile überwölbenden zeitlosen Eleganz, für die Hank Jones wie kein anderer stand. Und zu guter Letzt beweist Keul mit der Eigenkomposition „Three Coils On The Mountain“, einer musikalischen Referenz an seine Familie und eine Paraphrase auf Frank Sinatras Klassiker von 1954 „Three Coins In The Fountain“, dass er Stücke schreiben kann, die sich problemlos ins „Great American Songbook“ integrieren ließen. „Uuh, what a Geschmack“, würde Drummer-Kollege Pete York wohl in seinem typischen Dinglish zu diesem Album sagen. Wieder einmal hebt sich Keuls Spiel von anderen durch die intuitive Sicherheit des fundierten Jazzkenners ab, aber auch durch die Leidenschaft, mit der er sich in den Dienst der Musik stellt. „Michael gehört zur besonderen und seltenen Kategorie der Schlagzeuger, die nicht für sich, sondern für die Band spielen. Wie ein Maler seine Farben oder ein Chefkoch seine Zutaten, so mischt er seine Sounds; nimmt hier Pauken, da Becken und alles genau in der richtigen Lautstärke, um etwas Delikates zu erhalten: eine Band, die groovt, die den besonderen Swing hat,“ befand der legendäre Swing-Posaunist Dan Barrett einmal über Keuls Spiel. Besser kann man nicht beschreiben, was auf „Superfocus“ passiert. Oliver Hochkeppel  

 


Michael Keul and
Superfocus

organic music 9761

Scott Hamilton (ts)
Tizian Jost (vb)
Bernhard Pichl (p)
Rudi Engel (b)
Michael Keul (dr)

 

Veröffentlichung:
2014

[Info als PDF] - 1,5 MB


Cover in hoher Qualität
Bandfoto in hoher Qualität
Bandfoto in hoher Qualität
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