Home / Profil
  Schwerpunkte
  Partnerlabel
  Referenzen
  Kontakt
   
  Mail
   
  Impressum
home / schwerpunkte / archiv  
   
 

JPEK
„The Long Goodbye“

Neben der Tatsache, dass es schon immer zeitlose Musik gab, welche die jeweiligen Moden und den Zeitgeist überdauerten  gibt es in der Musik aber auch zeitlose Bandformate. Solch ein Format ist im Jazz die Besetzung mit Vibraphon,  Piano, Kontrabass und Schlagzeug. Nicht zuletzt deshalb weil dieses Instrumenten Line-Up und der damit verbundene  Klang besonders durch die Popularität und den weltweiten Erfolg des Modern Jazz Quartetts geprägt wurden.  Eben diesem Soundideal fühlt sich auch die Band JPEK verpflichtet, ein Quartett mit Tizian Jost am Vibraphon, Bernhard  Pichl am Piano, Rudi Engel Kontrabass sowie Michael Keul am Schlagzeug und dessen zunächst ungewöhnlicher Bandname  sich aus den Initialen der vier Nachnamen der Musiker ergibt und der auch wie ein Suffix des digitalen Zeitalters  gelesen werden kann. Die Vorgeschichte zur Entstehung der Band JPEK beschreibt der Schlagzeuger Michael Keul so:  „Ich kann mich noch gut daran erinnern als mir so Ende der siebziger Jahre im Plattenladen meiner Heimatstadt ein  Doppelalbum des Modern Jazz Quartetts in die Hände fiel.  Es war die LP „The Last Concert“, ein live Mitschnitt von dem denkwürdigen Abschiedskonzert des MJQ aus dem Jahr  1974.  Das Cover mit Piano ,Vibraphon, Kontrabass und Schlagzeug auf der Bühne fand ich toll und als ich dann zuhause die  erste der vier Plattenseiten auf meinem Dual 601 abspielte hatte die Band, obwohl sie ja schon nicht mehr existierte,  einen neuen Fan gewonnen. Damals konnte ich noch nicht beschreiben was es genau war, das mich so in den Bann zog  aber aus heutiger Sicht ist es die Klarheit und die Durchsichtigkeit der Musik, der ausgewogene Sound der Band, die  Eleganz und Raffinesse der Arrangements und nicht zuletzt die 4 unterschiedlichen Musikerpersönlichkeiten.  Nach der „Reunion“ des MJQ 1980 ergab sich auch für mich die Gelegenheit sie endlich auch live zu hören . Das war noch  mal ein ganz besonderes Erlebnis, denn die vier Gentlemen klangen exakt wie auf der oben erwähnten live Aufnahme.  Immer mit wohldosiertem Feuer, Inspiration, Stil und eben diesem durchsichtigen Klang sowie dem konzeptionellen  kammermusikalischen Ansatz ihrer Musik.  Zeitenwechsel: Seit dem Jahr 2001 mache ich in dem kleinen, aber feinen Rosenheimer Jazzclub „ Le Pirate“ immer  wieder musikalische Themenabende zu bedeutenden  Musikern oder Bands des Jazz. Für jeden Abend stelle ich  dann eigens eine spezielle Formation zusammen und bediene  mich dabei aus dem großen Reservoir der vielen  hervorragenden Kollegen, mit denen ich bisher zusammen  arbeiten durfte. Als mir dann Tizian Jost, auch ein  langjähriger Gefährte als Pianist, noch erzählte, er spiele  jetzt auch Vibraphon, kam mir sofort die Idee einen  Themenabend zum Modern Jazz Quartett zu machen. Da  ja zwei Pianisten im Jazz eher selten die Gelegenheit haben  gemeinsam zu musizieren war es für mich interessant  zu sehen, wie es mit Bernhard am Piano und Tizian  am Vibraphon funktionieren würde. Ich merkte sofort:da  hatte es musikalisch gefunkt . Mit Rudi Engel am Bass war  das Quartett schliesslich komplett.  Auf den ersten Themenabend folgte ein zweiter mit der Musik eines anderen  grossen Vibraphonisten: Bobby Hutcherson. Und aus diesem entwickelte sich die  Idee für JPEK : ein Quartett, in welchem alle Musiker einen ähnlichen musikalischen  Background haben und sich einer natürlichen Klangästethik verpflichtet  fühlen.Ein Quartett das keinen Widerspruch darin  empfindet das Repertoire mit der Musik des MJQ,  oder Bobby Hutcherson, Standards in neuen Arrangements  sowie Eigenkompositionen zu verbinden und  wie aus einem Guss klingen zu lassen.“  Das Ergebnis ist nun auf der hier vorliegenden CD enthalten  und kann sich durchaus hören lassen. Den Anfang  macht der Bebop Klassiker „ A Night in Tunisia“ in  einem völlig neuen Gewand. Michael Keul erläutert  hierzu: „ Meine Idee für das Arrangement bestand  darin, dass jeder Solist ein eigenes Tempo für sein  Solo wählen konnte, was wir alle als unglaublich spannend  und inspirierend empfanden. Uns ist es hoffentlich gelungen,  dieser so oft gespielten Komposition einen neuen  Aspekt abgewinnen zu können“.  „ The Long Goodbye“ aus der Feder von Bernhard Pichl hat  zwar nichts direkt mit dem gleichnamigen Roman von  Raymond Chandler zu tun aber eine gewisse geheimnisvolle  Marlowhaftigkeit wohnt dieser zauberhaften Mollkomposition auf jeden Fall inne. In direkten Gegensatz dazu  klopft das sehr selten gespielte Thema „Eight Four“ von Bobby Hutcherson nicht lange an die Tür, sondern steht mit  Nachdruck fordernd im Raum und will mit Energie gespielt werden.  „Als hörender Mensch und Musiker bewundere ich ganz besonders die Komponisten, welche der Musik wunderbare  Melodien geschenkt haben, wie hier „Pra Machucar Meu Coracao“, von dem unglaublichen brasilianischen Melodienerfinder  Ary Barroso“, führt Michael Keul weiter aus.  „Lass uns doch einfach mal einen Standard spielen, so ohne Arrangement......“, das war der Ausgangspunkt für den alten  Klassiker „I´m getting Sentimental Over You“, ein Stück bei dem man herrlich vor sich herswingen kann, das unverwüstlich  weil gut ist und von dem es deshalb auch viele erstklassige Einspielungen gibt.  Tizian Jost hat sich mit seinem Komposition „Refuge“ der nicht gerade großen Spezies des Jazzwalzers gewidmet. Ein  auch harmonisches wunderbares Thema dass die Band in den Soli hörbar inspiriert spielt. Auch das Arrangement des  nicht ganz so bekannten Gershwin Klassikers „Soon“ stammt von Tizian und die leicht tänzelnde Verspieltheit des  Themas im Kontrast mit dem swingenden Chorussen hat einen ganz besonderen Reiz. Auf das Stück „ For Django“ von  der Gitarrenlegende Joe Pass ist die JPEK bei einem der besagten Themenabende über den legendären Django Reinhardt  gestoßen und sie fanden es besonders reizvoll das Stück dann in dem John Lewis Hymnus „Django“, dem größten Hit der  vier Herren im Smoking des MJQ, münden zu lassen. Eine doppelte Hommage sozusagen. Wie ja auch „ Softly As In A  Morning Sunrise“ ein ganz persönlicher Tribut an das Modern Jazz Quartett ist und dabei auch Intro und Ending vorkommen,  in dem John Lewis sich eines Zitats aus dem „musikalischen Opfer“ des großen Johann Sebastian Bach bediente.  Über welche große musikalische Erfahrung die vier Protagonisten von JPEK verfügen, zeigt sich nicht zuletzt in der  Auflistung der bedeutenden Musiker, mit denen jeder einzelne der vier schon zusammen gearbeitet hat. Tizian Jost,  sicherlich vielen bisher lediglich als Pianist bekannt, hat in den letzten 25 Jahren mit einer Vielzahl nationaler und  internationaler Größen gespielt. Unter ihnen finden sich Namen wie Tony Lakatos, Bobby Shew und Günther Klatt. Auf  der Liste der Musiker, die das Klavierspiel von Bernhard Pichl bevorzugten, stehen Benny Bailey, James Moody, Charlie  Mariano und Conte Candoli. Nicht minder die Credits des versierten Kontrabassisten Rudi Engel: Es tauchen Namen auf  wie Bob Mintzer, Ernie Watts und Ack van Rooyen u. v. a.. Und das swingende Schlagzeugspiel von Michael Keul wurde  schon von Chet Baker, Woody Shaw, Red Holloway und Scott Hamilton geschätzt um hier nur einige zu nennen.  Die größte Herausforderung für Musiker im Jazz ist immer das gemeinsame Spiel mit nur einem Gegenüber, denn dort  zeigt sich wer Ohren hat und die richtige Dosierung aus Geben und Nehmen beherrscht. Tizian Jost und Bernhard Pichl  gelingt es bei ihrer Duo Interpretation von Duke Ellingtons „Warm Valley“ dieser Herausforderung mehr als gerecht zu  werden. Der Weihnachtsklassiker „Santa Claus Is Coming To Town“ ist eine der Nummern die von Jazzmusikern gerne  auch mal ganzjährig gespielt werden und von der es ganz erstaunliche Versionen gibt. Die Idee für dieses Arrangement  war, einen Bogen vom Musizierideal des Modern Jazz Quartett mit Milt Jackson zur moderneren modalen Auffassung  eines Bobby Hutcherson zu spannen.  Mit der vorliegenden Einspielung , auch exzellent aufgenommen von Toningenieur Florian Oestreicher, zeigen die vier  Musiker von JPEK dass sich der besondere akkustische Sound des Quartetts mit Vibraphon, Piano, Kontrabass und  Schlagzeug immer noch seinen Reiz und nichts von seiner Faszination verloren hat. JPEK steht eben auch für Jazz mit  Passion, Eleganz und Konzept. Ein besonderes Hörerlebnis.    

 

JPEK
„The Long Goodbye“

organic music ORGM 9765

Tizian Jost (vb)
Bernhard Pichl (p)
Rudi Engel (b)
Michael Keul (dr)

Veröffentlichung:
20. März 2015

[Info als PDF] -2 MB

Cover in hoher Qualität
Bandfoto in hoher Qualität
Bandfoto in hoher Qualität

 
top mail: u.k.promotion@t-online.de designed by jazzdimensions