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Eastern Flowers
“Mineralle”

Jarry Singla ist wahrlich eine singuläre Erscheinung in der internationalen Jazzszene. Der in Köln lebende Pianist und Komponist mit deutsch-indischen Wurzeln legt in diesen Tagen mit seinem Trio Eastern Flowers ein Album vor, das seiner Intention der musikalischen Interkulturalität vollkommen entspricht. „Mineralle“ ist dasjenige Album Singlas, auf dem der Einfluss indischer Musik so stark ausgeprägt ist wie auf noch keinem anderen seiner bisherigen Werke. Aus gutem Grund: Seine beiden hoch renommierten musikalischen Begleiter, der Perkussionist Ramesh Shotham und der Kontrabassist Christian Ramond, haben ebenfalls indische Wurzeln. Ramesh Shotham stammt ursprünglich aus dem südindischen Madras (dem heutigen Chennai), lebt seit Jahren in Europa und ist nicht nur dank seiner Präsenz auf über 150 Alben einer der meistbeschäftigten indischen Jazz- Perkussionisten überhaupt. Christian Ramond hat gleichfalls einen indischen Background und spielte schon mit Jazzlegenden wie Albert Mangelsdorff, Kenny Wheeler und Lee Konitz. Auch in Singlas Trio erweist sich Ramond als enorm einfühlsamer Bassist von bestechendem Format. Eastern Flowers legen mit dem im letzten Jahr aufgenommenen „Mineralle“ nun ein Album vor, auf dem die Vielfalt indischer Musikkultur auf europäische Harmonik trifft. In dem dicht verwobenen, häufig intuitiv wirkenden Zusammenspiel spüren die drei Jazzvirtuosen sichtlich den Wurzeln ihrer indischen Herkunft nach, doch zugleich lassen sie ihrem avantgardistischen Forscherdrang freien Lauf. Allein vier Stücke, „Tavi Swaram“, „Jabi Tala“, „Thillana“ und „Mallari“, wurden inspiriert von einer vom Goethe-Institut unterstützten Tournee durch Indien, die die drei Musiker im Dezember 2011 nach Neu-Delhi, Chennai, Bangalore, Kolkata und Mumbai geführt hatte. Einen Besuch bei Rameshs Bruder nutzte Jarry, um sich – wie er es häufig zu tun pflegt – einige Platten empfehlen zu lassen und entdeckte so Aufnahmen mit der Nadaswaram, einer indischen Kegeloboe. Unter diesem Eindruck entstand „Tavi Swaram“, das mit energiegeladener Perkussion aufwartet und im zweiten Teil Ideen aus der Minimal Music aufgreift. „Jabi Tala“ basiert auf einer rhythmischen Komposition von Ramesh Shotham und wird von Jarry mit filigranen Harmonien ausgeschmückt. „Thillana“ ist ein ungewöhnliches Arrangement einer Komposition des südindischen Geigers Lalgudi Jayaraman. „Mallari“ schließlich beruht auf südindischer Tempelmusik, die sich durch eher repetitive Melodieführung auszeichnet und hier in variierenden Tempi präsentiert wird. Aufgegriffen hat Jarry auch zwei ältere Kompositionen, deren ursprüngliche Einspielung beide auf seinem Album „Planetarium“ zu finden sind. „Latin des Poules“ ist nunmehr um die musikalische Dimension der Konakol erweitert, jener südindischen Trommelsprache, deren Rhythmen aus perkussiven Silben bestehen und die Ramesh ebenso perfekt beherrscht wie die Tavil, eine südindische Tempeltrommel, die hier ebenfalls prominent vertreten ist . Auf „Blumenbein“ kommt das indische Harmonium ins Spiel, das Jarry schon seit einigen Jahren in sein Repertoire aufgenommen hat. Das improvisierte Intro auf dem Harmonium kommt dem Alap sehr nahe, wie man den eröffnenden Teil eines indischen Ragas nennt. Zu den melodiösesten Aufnahmen zählen das Titelstück „Mineralle“ und „Za Hory“. Während „Mineralle“ von den exzeptionellen Chansons des französischen Sängers André Minvielle inspiriert wurde, den Jarry während seines langjährigen Aufenthalts in Mexico City kennen und schätzen gelernt hatte, ist „Za Hory“ beeinflusst von alter ukrainischer Folklore, phantasievoll verziert und unterfüttert mit einer ledern klingenden Perkussion. Enorm lebendigen Rhythmen stehen hier wohltemperierte Klavierimprovisationen gegenüber. Den Titel seiner Komposition „Le Mariage d’Orphelins“, die während einer längeren Klausur in Berlin entstand, hat Jarry ebenfalls einem ukrainischen Lied entlehnt. Eine weitere Spezialität von Jarry Singla sind seine Arbeiten mit dem präparierten Klavier, das auf diese Art und Weise einen stärker perkussiven Charakter bekommt. „Okonana“, beeinflusst von marokkanischer Musik, ist ein brilliantes Beispiel. Hier ist der Avantgardist ganz in seinem Element. Während bei diesem Stück Pianosaiten mittels Gummikeilen, Tamburin und Kuhglocke modifiziert wurden und Jarry damit das rhythmische Fundament gestaltet, übernimmt Christan Ramond mit dem Kontrabass die Melodieführung und Ramesh Shotham stellt unter Beweis, wie feingliedrig sein Perkussionsspiel klingen kann. Drei Seelenverwandte in voller Blüte – Eastern Flowers in full blossom.

Als Komponist verkörpert Jarry Singla den Typus eines absoluter Freigeists, sein Spiel ist geprägt von steter Improvisationslust. Wie offen er für Einflüsse ist, die weit über den eigenen Erfahrungshorizont hinausreichen, zeigen seine diversen weiteren musikalischen Engagements. Während er für die eigenen Projekte unter anderem mit dem britischen Saxophonisten Julian Argüelles arbeitete, spielt er seit geraumer Zeit auch als festes Mitglied in zwei anderen Ensembles. Gemeinsam mit Borderland, der Formation der ukrainischen Sängerin Mariana Sadovska, die traditionelles ukrainisches Liedgut auf temperamentvolle Art und Weise variiert und interpretiert, gewann er bereits den Creole Preis für Weltmusik aus NRW. In ganz anderen musikalischen Gefilden bewegt er sich mit Lagash, dem kammermusikalischen Quartett des irakischen Komponisten Saad Thamir. Die Symbiosen aus orientalischer und westlicher Musik bieten Jarry auch in diesem Quartett immer wieder neue Perspektiven und inspirierende Einblicke in andere Kulturen. In diesem Jahr reiste Jarry Singla dank eines Residenzstipendiums der Kunststiftung NRW für sechs Monate nach Mumbai. Dort hat er nicht nur neue eigene Stücke komponiert, sondern vor allem den Kontakt zu anderen Künstlern gesucht. Zu drei indischen Musikern knüpfte er schließlich eine intensive künstlerische Beziehung. Gemeinsam mit dem magischen Tablaspieler Vinayak Netke, der schon für Nusrah Fateh Ali Khan spielte, dem klassischen Sänger Sanjeev Chimmalgi, den eine spirituelle Aura umgibt, sowie dem aufstrebenden Sitarspieler Hindol Deb, der wie Singla ein Faible für Crossover- Arbeiten hat, erarbeitete Jarry neue Stücke. Nachdem als fünfter Musiker Kontrabassist Christan Ramond eingeflogen worden war, gab das Quintett unter dem Namen Javi:Sync einige denkwürdige Darbietungen seiner Kunst und trat sowohl in Mumbai als auch in Chennai, Kolkata und Pune auf. Im nächsten Jahr werden die drei indischen Musiker von der Kunststiftung NRW nach Deutschland eingeladen, um mit Eastern Flowers auch hierzulande einige Konzerte zu geben. Jarry Singla ist der festen Überzeugung, dass seine interkulturellen Arbeiten „erst dann authentisch klingen, wenn man direkt mit Musikern aus anderen Kulturen zusammenarbeitet, sonst wirkt es zu akademisch“. Zu seinem großen Glück kann der Pianist aus Köln auf einen reichen Erfahrungsschatz an Begegnungen und regen Austausch mit unterschiedlichsten Künstlern zurückgreifen. Sein einstiger Lehrer, der britische Pianist John Taylor, hat ihn ebenso geprägt wie all die Begegnungen während seiner langjährigen Aufenthalte in New York und Mexico City, seine Entdeckungsreisen nach Kuba und Indien, schließlich auch all die Kollaborationen in seiner Wahlheimatstadt. Getrieben von einer unablässigen Neugierde und Offenheit für Musik aus aller Welt, ist ihm mit seinem Trio Eastern Flowers ein Album von enormer Tiefenwirkung gelungen. „Mineralle“ ist ein musikalisches Wunderwerk, dessen höchst unterschiedliche Einflüsse nicht so schnell erkennbar sein mögen und zu differenzieren sind, dessen fließender Magie man sich jedoch kaum entziehen kann. Es ist die gelungene Gratwanderung zwischen komplexer Rhythmik und sinnlichen Harmonien, ein Weltenzauber voller Intuition, Intimität und Improvisationslust.

 

Eastern Flowers
“Mineralle”

Jazzsick Records 5065JS
Vertrieb D: in-akustik
Vertrieb A: Hoanzl

Jarry Singla
Ramesh Shotham
Christian Ramond

 

Veröffentlichung:
22. November 2013

[Info als PDF] - 1,5 MB

Cover in HD
Bandfoto in HD
Bandfoto in HD
Ramesh Shotham Bild in HD
Christian Ramond Bild in HD
Jarry Singla Bild in HD

 

 
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